Sonntag, 26. März 2017

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"Patientinnen mit Nodal-negativem Mammakarzinom, bei denen ITIH5 noch im Gewebe nachgewiesen werden kann, haben nach unseren Analysen ein geringes Rückfall-Risiko und daher eine sehr gute Prognose."(Foto: Stock photo)

 

Wann ist eine Chemotherapie überflüssig?

Bei 50 bis 60 Prozent der Brustkrebspatientinnen sind die Lymphknoten der Achselhöhlen zum Zeitpunkt der Diagnose noch nicht befallen. Metastasen in anderen Organen können dann nahezu ausgeschlossen werden. Mediziner sprechen in diesem Fall von einem Nodal-negativen Brusttumor, der eine deutlich bessere Prognose für die Patientin bedeutet, als ein Nodal-positiver Brusttumor, bei dem die Lymphknoten bereits von Tumorzellen befallen sind. Wenn man diese Unterscheidung im Vorhinein klären kann, erspart man vielen Patientinnen eine Chemotherapie. Einer Gruppe von Wissenschaftlern hat jetzt einen Marker gefunden, der eine genau Bestimmung ermöglichen soll.

"Leider bekommen immer noch rund 80 Prozent aller Brustkrebspatientinnen mit einem Nodal-negativen Brusttumor eine Chemotherapie, obwohl dies nur bei etwa 30 Prozent der Patientinnen dieser Gruppe notwendig wäre", erklärt Prof. Dr. Edgar Dahl vom Institut für Pathologie des Universitätsklinikums Aachen. "Das Problem ist, dass wir bisher nicht wissen, welche Patientinnen zu den 30 Prozent gehören, die ein hohes Rückfall-Risiko haben, daher wird den meisten Frauen zur Sicherheit die Chemotherapie empfohlen."

Dieses Problem der Übertherapierung soll in Zukunft durch die molekularpathologische Analyse des Tumorgewebes gelöst werden. Dahl: "Im genetischen Profil des Tumors steckt genügend Information über dessen Aggressivität und damit über das Rückfall-Risiko der individuellen Patientin. Wir müssen diese Information nur richtig lesen lernen, um sie zu nützen."

Dahl und seine Arbeitsgruppe hat anhand der Untersuchung von etwa 300 Brusttumoren mehrere Gene gefunden, deren Aktivität im Tumor verloren geht und die vermutlich sogenannte Tumorsuppressorgene darstellen. Deren natürliche Funktion ist es ist, Tumorwachstum zu unterdrücken. Eines mit dem Namen ITIH5 könnte für die Vorhersage der Heilungschancen von Patientinnen mit Nodal-negativen Brusttumoren entscheidend sein. "Patientinnen mit Nodal-negativem Mammakarzinom, bei denen ITIH5 noch im Gewebe nachgewiesen werden kann, haben nach unseren Analysen ein geringes Rückfall-Risiko und daher eine sehr gute Prognose", weiß Dahl.

Derartige Tumormarker werden in der modernen Behandlung von Krebspatienten immer wichtiger; allerdings steht deren systematische Entdeckung, Bestätigung und Anwendung in der Klinik immer noch in den Anfängen. Dahl: "Je besser die Wissenschaftler die Signalwege in der Krebszelle verstehen, um so individueller kann in Zukunft die Therapie auf den einzelnen Patienten abgestimmt werden."

Bis das erreicht ist, dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen. Denn rund 30.000 Gene, die in vielfältiger Weise interagieren, müssen dazu untersucht werden.

Weiterhin maßgeblich für die Prognose einer Brustkrebserkrankung ist die frühzeitige Erkennung des Tumors. Das Team um Dahl forscht an einer neuen Methode der Früherkennung von Brustkrebs mittels Blutuntersuchung. "Dies ist technisch möglich, weil Tumore kleinste Mengen an DNS ins Blut abgeben und wir somit die genetischen Veränderungen im Tumor mit hochsensitiven Methoden zum Teil auch im Blut nachweisen können."

Die Forschergruppe hat sich auf den Nachweis von Veränderungen in der so genannten DNS-Methylierung spezialisiert. Die Methylierung ist eine natürlich vorkommende chemische Veränderung an der DNS, die zum Abschalten von Tumorsuppressorgenen führen kann.

WANC 26.01.10, Quelle: Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen


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