Montag, 19. November 2018

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Metastasen, von der Computer Tomographie aufgedeckt

 

Metastasen: Warum sich Krebszellen auf Wanderschaft begeben

Bösartige Tumoren können sich im Körper ausbreiten und in entfernten Organen Tochtergeschwülste bilden. Das macht den Tumor zu einer lebensbedrohlichen Gefahr.

Die Überlegung ist eigentlich logisch: Wenn es gelänge die Ausbreitung der Krebszellen zu verhindern, wäre man im Kampf gegen den Krebs einen großen Schritt weiter. Deshalb forschen Wissenschaftler auch mit dem Ziel, spezifische Therapien zu entwickeln, welche die gefährliche Wanderlust der Krebszellen stoppen.

Dabei stellt sich vor allem die Frage, was Krebszellen dazu bewegt, sich auf Wanderschaft zu begeben. Eine Krebszelle ist umso bösartiger und aggressiver, je erfolgreicher sie sich aus ihrem Zellverband lösen und in das umliegende Gewebe eindringen kann. Dann besteht die Gefahr, dass sich Metastasen in entfernten Organen bilden. Diese sind nur schwer zu beherrschen, da sie sehr viel schlechter auf die Strahlen- oder Chemotherapie ansprechen.

„Eine Vielzahl von Eiweißen und Botenstoffen sind bereits identifiziert, die an der Metastasierung beteiligt sind“, sagt Professor Dr. Walter Birchmeier, Koordinator eines neuen Forschungs-Schwerpunktprogramms. „Doch die genauen Mechanismen der gerichteten Wanderung von Tumorzellen in spezifische Organe sind noch weitestgehend unbekannt.“ Genau das will Birchmeier und Kollegen versuchen aufzuklären. Dabei verfolgen die beteiligten Wissenschaftler, verschiedene Ansätze - entsprechend den vielseitigen Mechanismen, mit denen sich die Krebszellen ihren Weg durch den Körper bahnen.

Gesunde Zellen sind normalerweise fest mit ihren Nachbarn verbunden und sehr sesshaft. Als Klebstoff zwischen den Zellen fungieren so genannte Zelladhäsionsmoleküle. In entarteten Tumorzellen funktioniert dieser „Zellkitt“ in vielen Fällen nicht mehr. Dadurch lockert sich der Zellverband, so dass einzelne Krebszellen diesen verlassen können und „invasiv“ in das umliegende Gewebe hineinwachsen. Über das Blut oder die Lymphbahnen breiten sie sich dann im Körper aus. Dort, wo sie wieder andocken, entstehen Tochtergeschwülste in entfernten Körperregionen. Metastasen befallen bevorzugt die Leber und die Lunge. Aber auch im Gehirn und in den Knochen kommen häufig Krebsabsiedlungen vor.

Neben den Zelladhäsionsmolekülen haben die Forscher eine weitere Eiweißgruppe im Visier: Die so genannten Proteasen. Diese Enzyme sind in der Lage, das bindegewebsartige Gerüst der Zellen aufzulösen. Dies ist zum Beispiel bei der Wundheilung erforderlich, wenn die Hautzellen sich im Deckgewebe fortbewegen müssen, um die Wunde zu verschließen. Diese Scheren-Funktion machen sich auch Krebszellen zu Nutze: Sie setzen vermehrt Proteasen frei und schneiden so Löcher in das sie umgebende Zellgerüst. Durch die entstandenen Lücken schlüpfen die Krebszellen hindurch und treten ihre verhängnisvolle Reise durch den Körper an.

Bei Krebszellen aus Brusttumoren sind bestimmte Lockstoffe identifiziert worden. Diese lotsen die bösartigen Zellen, die sich erfolgreich aus dem Zellverband lösen konnten, zielgerichtet zu den Organen, in denen sich daraufhin Metastasen bilden. Bei diesen Lockstoffen handelt es sich um so genannte Chemokine, die an spezifische Andockstellen auf den Zellen binden. Ihre Lotsen-Funktion haben sich die Krebszellen vom körpereigenen Abwehrsystem abgeschaut: Hier vermitteln die Chemokine den Abwehrzellen den Weg aus dem Blut zu bestimmten Körperregionen.

Die Forscher wollen nun auch in anderen Tumorarten nach diesen Lockstoffen suchen. Ihr Ziel: Medikamente zu entwickeln, welche die Funktion der Chemokine bei Tumorzellen blockieren, so dass die Krebszellen nicht mehr zielgerichtet zu den Organen gelotst werden können und die Metastasierungs-Gefahr sinkt.

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