Mittwoch, 29. März 2017

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Bei der Einnahme von Betablockern ergab sich eine 71% bessere Überlebenschancen bei Brustkrebspatientinnen (Foto: PhotoAlto)

 

Betablocker reduzieren Bildung von Metastasen

Betablocker sollen eigentlich hohen Blutdruck nach unten regeln. Doch nun belegen Studien, dass diese Medikamente möglicherweise noch ganz andere Fähigkeiten haben. So ergab sich bei Einnahme des Medikamentes eine 71% bessere Überlebenschancen bei Brustkrebspatientinnen. Vor allem aber: Damit gäbe es zum ersten Mal einen Wirkstoff der gezielt gegen Metastasen bei Brustkrebs – also die Ausbreitung des Tumors – eingesetzt werden könnte. Ob das auch bei anderen Krebsarten funktioniert, muss erst noch erforscht werden.

Die Behandlung von Brustkrebspatientinnen mit Betablockern kann anscheinend die Metastasierung reduzieren. Teams um Dr. Desmond Powe (Universität Nottingham) und Professor Frank Entschladen (Universität Witten/Herdecke) haben in einer klinischen Studie herausgefunden, dass Patientinnen, die mit Beta-Blockern behandelt wurden, eine bedeutsame Reduktion der Metastasenbildung und bessere Überlebensrate zeigten.

Die Forscher haben die Krankheitsdaten von Brustkrebspatientinnen analysiert und in drei Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe, die aufgrund von Bluthochdruck bereits mit Beta-Blockern behandelt wurde, eine weitere Gruppe, deren Bluthochdruck durch andere Medikamente behandelt wurde, und eine letzte Gruppe, die keinen Bluthochdruck hatte und demzufolge auch keine Medikamente dagegen bekam.

Von 466 Patientinnen nahmen 43 Beta-Blocker. In dieser Gruppe bildeten sich deutlich weniger Metastasen und der Krebs trat nicht so häufig wieder auf. Insgesamt hatten diese Patientinnen gegenüber den anderen Gruppen eine um 71 Prozent höhere Chance, keine Metastasen zu bilden und die Überlebenszeit zu erhöhen. „So deutliche Aussagen kommen nur bei wenigen Studien zu Stande", bekundet Entschladen, „deshalb sind wir sehr neugierig, ob wir dieses Ergebnis in einer zukünftigen, größeren Studie und auch bei anderen Krebsarten bestätigen können."

Frühere Laboruntersuchungen haben bereits gezeigt, dass Betablocker gegen verschiedene Krebsarten helfen. Bekannt ist auch der Wirkungsmechanismus: „Krebszellen können besonders dann gut und schnell wachsen, streuen und Metastasen bilden, wenn viele Stresshormone im Körper unterwegs sind. Die Betablocker verhindern nun, dass die Stresshormone an den Krebszellen andocken können. Daher kommt es auch zu weniger Wanderungen und Streuungen", beschreibt Entschladen die Vorgänge im Körper.

Die Wissenschaftler sind sich sicher, dass ihre Effekte auf den Betablockern beruhen und nicht auf dem Bluthochdruck per se. „Wenn das der Fall wäre", sagt Powe, „würden Patientinnen, die andere Medikamente gegen den Bluthochdruck bekamen, einen ähnlichen Effekt zeigen. Das war aber nicht der Fall. Es ist vernünftig anzunehmen, dass auch Frauen ohne Bluthochdruck auf die Behandlung mit Betablockern ansprechen, obwohl Dosis und Nebenwirkungen in klinischen Studien untersucht werden müssten. Wir müssen auch schauen, ob Betablocker als zusätzliche Therapie in vorhandene Therapien für Brustkrebs eingebunden werden können. Wir haben aber gezeigt, dass mit den Betablockern ein gut-etabliertes, sicheres, und kostengünstiges Medikament vorhanden ist, um einen weiteren Schritt in Richtung gezielter Therapie bei Brustkrebs zu gehen." Dies wäre eines der ersten Medikamente, das in der Krebstherapie gezielt gegen die Metastasenbildung eingesetzt werden könnte.

Für die Betablocker ist das eine feine Entwicklung. Denn seit einiger Zeit ist heftig umstritten, ob Betablocker für den eigentlichen Sinn ihrer Existenz – nämlich die Blutdrucksenkung – überhaupt oder nur weniger als gedacht geeignet sind. In neueren Studien waren die Erfolge bei der Anwendung jedenfalls geringer, als bisherige Untersuchungen zu belegen versuchten. Außerdem hatten sie keinen Effekt auf die Häufigkeit von Schlaganfall und die gesamte Todesrate und verringerten nur die Häufigkeit von Herzinfarkten tendenziell. Außerdem zeigen andere große Studien der letzten Jahre, dass Betablocker bei Patienten mit Bluthochdruck die Wahrscheinlichkeit um etwa 25 % erhöhen, Diabetes zu entwickeln. Allerdings gibt es bisher keinerlei Hinweise auf negative Langzeitwirkungen von Betablockern und der günstige Effekt von Betablockern nach Herzinfarkt, bei chronischer Herzschwäche, Vorhofflimmern und anderen Herzrhythmusstörungen, Altersdiabetes und Schilddrüsenüberfunktion ist nach Meinung von der Deutschen Herzstiftung eindeutig nachgewiesen.

WANC 01.04.10, Quelle: Brustkrebskonferenz (EBCC7), Barcelona; Universität Witten/Herdecke, Deutsche Herzstiftung


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