Donnerstag, 19. Oktober 2017

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Foto: Kooperationsgemeinschaft Mammographie
Mammogrophien sollen Tumore früher aufspüren (Foto: Kooperationsgemeinschaft Mammographie

 

Qualitätsbericht Mammographie-Screening

Frauen, die am Programm zur Früherkennung von Brustkrebs teilnehmen, erhalten eine Behandlung auf höchstem Niveau. Das will der erste Qualitätsbericht belegen, den die Kooperationsgemeinschaft Mammographie vorgestellt hat. Doch ohne Kritik ist das Screening nicht.

„Der Qualitätsbericht belegt erneut, dass es im deutschen Gesundheitswesen keinen Bereich mit einem vergleichbaren Standard gibt, wie das Mammographie-Screening-Programm“, behauptet Dr. Wolfgang Aubke, Beiratsvorsitzender der Kooperationsgemeinschaft Mammographie.

In dem Bericht sind die Auswertungen der zahlreichen Maßnahmen zur Qualitätssicherung im Mammographie-Screening-Programm aus den ersten drei Jahren von 2005 bis 2007 zusammengefasst. Darin zeige sich, dass die wesentlichen Parameter zur Beurteilung der Programmqualität erfüllt werden. So rangiere zum Beispiel die Rate an Bildwiederholungen aufgrund von Mängeln an der Bildqualität mit 0,75 Prozent weit unter dem geforderten Grenzwert von bis zu drei Prozent und selbst unter dem empfohlenen Wert von bis einem Prozent.

Auch die Rate an Teilnehmerinnen, die nach einer Mammographie zu einer weiteren Untersuchung eingeladen wird, liegt mit 5,3 Prozent im Rahmen des empfohlenen Referenzbereichs von bis zu sieben Prozent. „Die Zahlen zeigen, dass sich die Bilddiagnostik und die Befundung der Mammographie-Aufnahmen im Screening-Programm auf einem absolut hohen Niveau bewegen. Denn bei einer möglichst geringen Belastung der Frauen durch ergänzende Untersuchungen werde entsprechend der vorgegebenen Referenzwerte bei 7 bis 8 von 1000 untersuchten Frauen ein Tumor in der Brust entdeckt“, erläutert Dr. Karin Bock, Leiterin des Referenzzentrums Mammographie Südwest.

Ein wesentlicher Vorteil für die von Krebs betroffenen Frauen sei auch, wenn der Tumor bereits durch eine minimalinvasive Gewebeentnahme ambulant sicher diagnostiziert werden könne und nicht erst – wie früher - während einer Operation, berichtet Bock. Das erleichtere die gemeinsame Planung einer Operation und der nachfolgenden Therapie und reduziere dadurch deutlich die Belastung der Frauen, so die Gynäkologin. Mit 92 Prozent liegt der Anteil an präoperativ gesicherten Karzinomen weit über den mindestens geforderten 70 Prozent.

Dass die Frauen dem Programm vertrauten, zeige sich auch an der hohen Teilnahmerate bei der Abklärung. Rund 95 Prozent der Frauen, die nach einer Mammographie zu einer weiteren Untersuchung eingeladen würden, entschieden sich, der Einladung in die Screening-Einheit zu folgen.

Der Qualitätsbericht wird den gesetzlichen Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung vorgelegt, die gemeinsam die Ergebnisse prüfen und über eventuelle Änderungen der Maßnahmen entscheiden.

Dennoch bleiben die Kritiker des Mammografie-Screening hartnäckig. So wird immer wieder der Nutzen angezweifelt. Die meisten der entdeckten Tumore seien harmlos, während viele der bösartigen, schnellwachsenden Tumore häufig durch das Zeitnetz des zweijährigen Screenings fallen und nicht entdeckt werden. Aber auch verunsichernde Aussagen auf Grund falsch positiver Ergebnisse seien für die betreffenden Frauen eine unnötige Belastung. Außerdem gabe es ca. 10 % falsch negativer Befunde. Durch diese würden sich die Patientinnen in einer falschen Sicherheit wiegen und ggfs. die eigene Tastuntersuchung vernachlässigen. Vor allem aber würden manche Tumoren in der Brust von selbst wieder verschwinden – das nennt sich spontane Remission. Wissenschaftler fordern daher, das Screening-Programm unter dem Aspekt der spontanen Remmission von Brusttumoren neu zu überdenken.

Hintergrund: Im Jahr 2002 hatten Bundestag und Bundesrat einstimmig beschlossen, ein Mammographie-Screening-Programm auf der Grundlage der Europäischen Leitlinien in Deutschland einzuführen. Danach erhalten Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre eine Einladung zum Mammographie-Screening. Ziel des Brustkrebs-Screenings ist es, durch eine frühzeitigere Diagnose von Brustkrebs eine schonende und erfolgreiche Therapie der bösartigen Tumore zu erreichen und so die Sterblichkeit an der Erkrankung deutlich zu senken. Zur Koordination, Qualitätssicherung und Evaluation des Mammographie-Screening-Programms haben die gesetzlichen Krankenkassen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung gemeinsam die Kooperationsgemeinschaft Mammographie gegründet.

WANC 02.09.10, Quelle: Kooperationsgemeinschaft Mammographie


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