Donnerstag, 29. Juni 2017

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Sexualhormone regen bestimmte Proteine im Körper an, die die Entstehung von Brustkrebs fördern

 

Wie Hormone Brustkrebs auslösen

Dass Sexualhormone etwas mit dem Entstehen von Brustrkebs zu tun haben, vermutet man seit längerem Aber erst vor ein paar Jahren haben Studie relative Gewissheit darüber gebracht. Seitdem ist die Hormonersatztherapie bei Frauen in den Wechseljahren auch in Verruf geraten. Doch nicht alle Ärzte haben die Erkenntnisse akzeptiert. Schon alleine deshalb, weil die zu Grunde liegenden Mechanismen nicht vollständig bekannt waren. Doch jetzt haben Wissenschaftler ein Protein aufgespürt, das den Zusammenhang herstellt. Weil dieses Protein auch auf den Auf- und Abbau von Knochen einen erheblichen Einfluß hat, könnte ein neues Medikament gegen Osteoporose das Brustkrebsrisiko senken.

Brustkrebs zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen in westlichen Gesellschaften. In Europa ist jede achte Frau im Lauf ihres Lebens betroffen. Nur ein kleiner Teil der Erkrankten hat die Veranlagung geerbt, meist ist der Tumor durch äußere Einflüsse erworben, betonen Wissenschaftler am Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Zu den Faktoren, die Brustkrebs begünstigen, zählt die Einnahme von sythetischen Progesteronen (Gestagenen) im Zuge einer Hormonersatztherapie oder zur hormonellen Empfängnisverhütung. Umfangreiche Langzeitstudien wie die „Million Women Study“ (UK) und die „Women’s Health Initiative“ (USA) haben den Zusammenhang klar aufgezeigt.

Die Wissenschaftler unter der Leitung von Prof. Dr. Josef Penninger, Direktor des IMBA, haben den Mechanismus geklärt, wie ein synthetisches Sexualhormon Brustkrebs auslösen kann. Erstmals liefern die Forscher den genetischen Beweis, dass ein wichtiges Knochen-Gen dabei die entscheidende Rolle spielt.

Die Forschungsergebnisse nutzen Erkenntnisse, die die Bedeutung des Proteins RANKL (Receptor Activator of NF-κB Ligand – Protein, das den Knochenauf- und -abbau reguliert) Schlüsselmolekül des Knochenstoffwechsels bewiesen hatten. Beim Auf- und Abbau von Knochensubstanz kommt RANKL eine wesentliche Rolle zu, indem es knochenabbauende Zellen aktiviert. Ist RANKL überaktiv, dann kippt die Balance und der Knochenschwund nimmt überhand. Millionen Menschen sind davon betroffen - sie leiden an Osteoporose oder Verkrüppelung durch Knochabbau bei rheumatoider Arthritis.

RANKL wird aucht benötigt, um funktionierende Milchdrüsen zu bilden. RANKL wird durch Sexualhormone angeregt. Deshalb nahmen die Forscher an, dass ein Zusammenhang zwischen RANKL und der Entstehung von Brustkrebs bestehen könnte. Der aus Studien abgeleitete Mechanismus funktioniert so: das synthetische Sexualhormon MPA (Medroxyprogesteronacetat), das in Hormonpräparaten eingesetzt wird, steigert in Brustdrüsenzellen die Produktion von RANKL. Dies regt die Zellen zur Teilung an und schützt sie gleichzeitig davor, bei Genschäden vom Körper eliminiert zu werden. Eine weitere Folge ist die Zunahme der Stammzellenpopulation – alles wesentliche Voraussetzungen für die Entstehung von Krebs.

Versuche an Mäusen unterstützt diese These. Wurde bei denen durch Hormongaben Brustkrebs ausgelöst und RANKL bei diesen Mäusen pharmakologisch blockiert, sank die Brustkrebsrate um 90 Prozent.

Penninger ist von der Eindeutigkeit der Studien überwältigt: „Ich bin wirklich überrascht davon, wie massiv der Einfluss des RANKL-Systems auf die Brustkrebsentstehung ist. Wenn man bedenkt, dass Millionen Frauen synthetische Progesterone einnehmen, kommt diesem Zusammenhang eine ungeheure Bedeutung zu. Da wir nun den Mechanismus der Tumorentstehung kennen, sind auch vorbeugende Maßnahmen denkbar. Durch Medikamente, die RANKL blockieren, könnten Frauen möglicherweise in Zukunft ihr Brustkrebsrisiko senken.“

Erst vor wenigen Monaten kam in den USA und Europa, die Zulassung erfolgte am 31.5.2010, ein monoklonaler Antikörper auf den Markt, der RANKL blockiert. Die Substanz ist unter dem Namen Denosumab (Prolia von der Firma Amgen) für die Behandlung von Osteoporose und Knochenschwund bei Prostatakrebs zugelassen.

WANC 04.10.10, Quelle: Nature AOP, 29.9.2010, doi:10.1038/nature09387, Nature AOP, 29.9.2010, doi:10.1038/nature09495


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