Montag, 19. November 2018

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Hormonersatztherapie: Aufklärung ist „erschreckend“ (Foto: Project Photos)

 

Hormonersatztherapie: Frauen unzureichend aufgeklärt

In Deutschland werden Frauen nur äußerst unzureichend von ihren Ärzten über die Risiken der Hormonersatztherapie (HET) gegen Wechseljahresbeschwerden aufgeklärt. Dies ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Hamburger Magazins Stern und des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung.

Hintergrund der Umfrage: Vor rund einem Jahr musste in den USA ein Teil der so genannten WHI-Studie (Women's Health Initiative) abgebrochen werden, weil sich gezeigt hatte, dass bei den Probandinnen das Risiko für Brustkrebs, Herzinfarkt, Schlaganfall und Thrombosen deutlich erhöht war. 4,6 Millionen Frauen in Deutschland, die zu diesem Zeitpunkt Hormone gegen Wechseljahresbeschwerden einnahmen, mussten sich fragen, ob sie die Pillen weiter nehmen oder lieber darauf verzichten sollten. Die Umfrage zeigt erstmals auf breiter Basis, wie die Frauen auf die Hiobsbotschaft aus den USA reagiert haben - und wie sie von ihren Ärzten beraten wurden.

Forsa befragte zwischen dem 18. und 31. Juli dieses Jahres 6.008 Frauen zwischen 45 und 60 Jahren. 35 Prozent von ihnen haben bereits Hormone gegen Wechseljahresbeschwerden genommen. Von diesen gaben wiederum 63 Prozent an, niemals von ihren Ärzten über Risiken wie Herzinfarkt und Schlaganfall bei der Hormonersatztherapie aufgeklärt worden zu sein. 53 Prozent sagten, ihr Arzt habe sie nicht über das Thromboserisiko informiert, 46 Prozent gaben an, nicht einmal über das längst bekannte Brustkrebsrisiko aufgeklärt worden zu sein.

Die meisten Frauen, die eine Hormonersatztherapie bekamen, blieben trotz aller Risiken dabei. 30 Prozent beendeten ihre Therapie nach dem Abbruch der WHI-Studie. Jedoch nur 18 Prozent von ihnen taten dies auf den Rat ihres Arztes hin. Die Gynäkologin Martina Dören, Professorin für Frauengesundheit an der Berliner Charité und wissenschaftliche Beraterin der Umfrage findet die Ergebnisse "erschreckend". Sie zeigten, dass die Kommunikation zwischen den Frauen und den Ärzten äußerst mangelhaft sei. Dören: "Viele wurden entweder gar nicht über die Risiken der Hormonersatztherapie informiert - oder nicht so, dass es wirklich bei ihnen angekommen wäre."

WANC 08.03


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