Mittwoch, 28. Juni 2017

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Autor dieses Beitrages ist der Arzt Dr. Franz-Udo Piechotta-Flemming.

 

Der operative Brustaufbau

Um sich wieder als "vollwertige" Frau zu fühlen und die Sicherheit im Alltag zurückzugewinnen, wünschen viele Brustkrebspatientinnen, sich die operierte Brust wieder aufbauen zu lassen – zumal von Jahr zu Jahr jüngere Frauen betroffen sind. Aufgrund einer immer besseren Diagnostik kann der Brustkrebs heute oftmals früher erkannt werden, was die Chancen eines ästhetisch befriedigenden Wiederaufbaus enorm vergrößert.

Bei mehr als 60 Prozent aller Operationen bleibt heute die Brust erhalten. Früher wurde dagegen viel radikaler operiert: Die Mediziner gingen davon aus, dass die Entfernung von möglichst viel umliegendem Gewebe die Ausbreitung der Krankheit verhindern könne. Heute weiß man aber, dass nicht der Tumorknoten in der Brust sondern die Tochtergeschwülste die Prognose bestimmen. Der Verlauf der Erkrankung ist also in den meisten Fällen nicht davon abhängig, ob die ganze Brust entfernt wird. Tumoren bis zu etwa zwei Zentimeter Durchmesser können brusterhaltend operiert werden, sofern sie sich verschieben lassen. Das ist der Fall, wenn sie nicht mit der Haut oder dem Brustmuskel verwachsen sind. Im Anschluss an die Operation wird immer eine Strahlentherapie durchgeführt. Studien haben gezeigt, dass dadurch die Überlebensrate nach brusterhaltender Operation ebenso hoch ist wie nach der Entfernung der gesamten Brust.

Nur in 30 bis 40 Prozent der Fälle raten die Ärzte zur Entfernung der gesamten Brust. Wenn der gesunde Gewebesaum zu klein wird, der Tumor an verschiedenen Stellen gleichzeitig wächst oder an Haut oder Muskel anhaftet, erscheint diese Maßnahme als die sicherste. Manchmal ist auch das Größenverhältnis zwischen Brust und Tumor ungünstig. Das Ergebnis einer brusterhaltenden Operation würde dann vom kosmetischen Gesichtspunkt her ungünstiger ausfallen als nach einem plastischen Wiederaufbau zu einem späteren Zeitpunkt.

Der Wiederaufbau der Brust kann also entweder sofort bei der Tumoroperation (primäre Rekonstruktion) oder – im Falle einer Entfernung der gesamten Brust – auch einige Zeit später (sekundäre Rekonstruktion) erfolgen. In beiden Fällen wird die Brustwarze erst rund drei Monate nach dem Eingriff rekonstruiert. Die Kosten für eine derartige Operation trägt bei Brustkrebspatienten die Krankenkasse.

Autor dieses  Beitrages ist Dr. Franz-Udo Piechotta-Flemming, Arzt, Medizinjournalist und Mitbegründer des "Instituts für biologische Grundlagenforschung in der Plastischen Chirurgie" und des "Wissenschaftliches Instituts für Plastische Chirurgie, Kosmetik und Anti-Aging e.V.".


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