Samstag, 21. April 2018

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Der Bericht will die Zweifel am medizinischen Nutzen dieses in Deutschland seit 2005 angebotenen Screening-Programms widerlegen (Foto: kvb)

 

Bericht über Erfolg des Mammographie-Screenings

Mammographie-Screening - für viele bedeutet das medizinischen Fortschritt im Sinne der Frauen. Für andere ist das eine riesige nutzlose Aktion, die mehr schadet als hilft. Der erste Bericht über das Mammographie-Screening-Programm will nun belegen, dass es vorzeigbaren Mehrwert für die Frauen gibt. Doch Zweifel bleiben.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) und die Kooperationsgemeinschaft Mammographie (KoopG) haben den ersten Evaluationsbericht des Mammographie-Screening-Programms in Deutschland vorgestellt. In dem Bericht sind die Auswertungen des Mammographie-Screenings von 77 Screening-Einheiten aus den ersten drei Jahren des Programms von 2005 bis 2007 zusammengefasst. Bis zum Jahresbeginn 2009 haben inzwischen alle 94 Screening-Einheiten ihre Arbeit aufgenommen. Damit besteht jetzt für mehr als 10 Millionen Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren ein flächendeckendes Angebot zum Mammographie-Screening als Bestandteil des Pflichtleistungskatalogs der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

Auf der Grundlage Europäischer Leitlinien haben Ärzte, Krankenkassen und Politik gemeinsam das größte europäische Früherkennungsprogramm für Brustkrebs nach strengen Vorgaben zur Qualitätssicherung aufgebaut. Hier zwei Punkte, durch die der Bericht die Erfolgsparameter als erfüllt sieht:
 
• Durch das Mammographie-Screening werden wesentlich häufiger kleine Tumoren aufgespürt. Der Anteil der invasiven Karzinome von einer maximalen Größe bis 10 Millimeter liegt im Screening bei gut 30 Prozent. Vor Einführung des Mammographie-Screenings waren es nur rund 14 Prozent.
• Bei mehr als zwei Drittel (76,7 %) aller im Programm entdeckten invasiven Karzinome waren die Lymphknoten noch nicht befallen. Vor dem Screening lag der Wert mit 49 Prozent deutlich darunter.

"Für Frauen mit kleinen Tumoren, die nicht gestreut haben, bestehen die besten Chancen, vollständig geheilt zu werden", betonte Dr. Karin Bock, Leiterin des Referenzzentrums Mammographie Südwest. "Die betroffenen Frauen profitieren außerdem von einer schonenderen und meistens brusterhaltenden Therapie. Das ist ein deutlicher Gewinn für die Frauen."

Für das Brustkrebs-Screening mussten völlig neue Infrastrukturen geschaffen werden. "Im deutschen Gesundheitssystem gab es für solch ein Früherkennungsprogramm bisher keine vergleichbaren Vorbilder", unterstreicht  Dr. Wolfgang Aubke, stellvertretender Beiratsvorsitzender der KoopG. Das sei gerade in der Startphase des Brustkrebs-Screenings nicht immer leicht gewesen. Entscheidend für den jetzigen Erfolg und die Akzeptanz des Programms bei den Frauen seien die konsequente Umsetzung der hohen Qualitätsanforderungen und die Transparenz im Screening.

Auch das ist nicht unumstritten. Experten verweisen auf die Grenzen der Mammografie: Die Treffsicherheit sei bei Brüsten mit dichtem Gewebe - das treffe auf etwa 40 Prozent der Frauen zu - deutlich reduziert. Moniert beispielsweise Professor Maximilian Reiser vom Vorstand der Deutschen Röntgengesellschaft aus München. Wichtige zusätzliche diagnostische Verfahren kämen in dem Programm kaum zum Zuge.

Im Jahr 2002 hatten Bundestag und Bundesrat einstimmig beschlossen, ein Mammographie-Screening-Programm auf der Grundlage der Europäischen Leitlinien in Deutschland einzuführen. Danach erhalten Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre eine Einladung zum Mammographie-Screening. Eine Kritik lauete, warum das Screening auf diese Frauen beschränkt ist und jüngere wie ältere Frauen nicht daran teilhaben? Der Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF) hat die Ausweitung des Screenings auf Frauen ab 40 und bis zum 75. Lebensjahr immer wieder gefordert.

Ziel des Brustkrebs-Screenings ist es, durch eine frühzeitigere Diagnose von Brustkrebs eine schonende und erfolgreiche Therapie der bösartigen Tumore zu erreichen und so die Sterblichkeit an der Erkrankung deutlich zu senken. Zur Koordination, Qualitätssicherung und Evaluation des Mammographie-Screening-Programms haben die gesetzlichen Krankenkassen und die Kassenärztlichen Bundesvereinigung gemeinsam die Kooperationsgemeinschaft Mammographie gegründet. Im Jahr 2005 nahmen die ersten Screening-Einheiten ihre Arbeit auf.

Ob sich der ganze Aufwand gelohnt hat? "Der Bericht widerlegt die Zweifel am medizinischen Nutzen dieses in Deutschland seit 2005 angebotenen Screening-Programms und unterstreicht anhand von belastbaren Daten den Mehrwert für alle Frauen, die an dem Programm teilnehmen. Das in Deutschland flächendeckend eingeführte Screening ist das derzeit bestverfügbare Instrument, um bei Frauen eine Brustkrebs-Erkrankung möglichst frühzeitig zu entdecken und damit durch eine schnelle und zielgerichtete Behandlung die Heilungschancen zu verbessern", gibt sich Dr. Rainer Hess, Unparteiischer Vorsitzender des G-BA, sicher.

"Die Ergebnisse belegen, dass es in Deutschland gelungen ist, für Frauen ein Programm zur Brustkrebsfrüherkennung von hervorragender Qualität einzuführen", meint auch Thorsten Kolterjahn, Beiratsvorsitzender der KoopG.

WANC 08.10.09


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