Freitag, 15. Dezember 2017

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Hier können Sie sich persönlich helfen und beraten lassen. Zusammen mit der Frauenselbsthilfe nach Krebs bietet Brustkrebs-web Ihnen eine Online-Beratung.

 

"Ich war nicht darauf vorbereitet"

Was geschieht, wenn Frauen die Diagnose Brustkrebs eröffnet wird? Wie vermitteln die Ärzte die unheilvolle Botschaft? Wie gehen Sie auf die Frau ein? Wird sie als Patientin akzeptiert? Und wie wird sie selbst mit ihrer Situation fertig? Hilde Schulte, Bundesvorsitzende der Frauenselbsthilfe nach Krebs, erzählt von ihren eigenen Erfahrungen.

Der Beginn der Erkrankung läuft heute vielfach genau so ab wie bei mir vor 14 Jahren: Von einem Tag zum anderen wurde ich Krebspatientin. Auf diese Rolle war ich nicht vorbereitet und niemand hatte mich gelehrt, wie ich diese lebensbedrohende Situation bewältigen könnte. Ich war stumme Empfängerin der niederschmetternden Diagnose. Ich wurde behandelt und erlebte mich in der Rolle eines hilflosen Opfers, sowohl der Krankheit als auch des Medizinalltages.

An einem Montag wurde ich bei meinem Frauenarzt wegen eines selbst ertasteten Knotens in meiner Brust vorstellig. Mittwoch wurde ich zur Abklärung ins Krankenhaus eingewiesen und Donnerstag, an meinem 48. Geburtstag wurde die Brust amputiert. Bevor ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, hatte ich die erste Chemotherapie hinter mir.

Dieser Ablauf ist durchaus kein Relikt aus alten Zeiten und kein Einzelfall. Auch heute noch werden Eile und Dringlichkeit vermittelt, obwohl sie nicht geboten sind.

Mich haben die Ereignisse überrollt, ich wurde nicht gefragt, ich konnte bei der Therapieentscheidung nciht mitwirken und sie nicht nachvollziehen. Es fehlte die grundsätzliche Information und Aufklärung: Über die Bedeutung meiner Erkrankung, mögliche Therapieoptionen und Nebenwirkungen. Es wurde mir keine Zeit gelassen, die Diagnose zu verinnerlichen oder zu hinterfragen.

Nach Wochen quälten mich die Unsicherheit, Ängste und Zweifel: War es wirklich nötig, die Brust zu amputieren? War die Chemotherapie wirklich unentbehrlich? War es die richtige Zusammensetzung für mich? Hätte es Alternativen gegeben? Waren die Auswirkungen auf meinen Alltag und meine Lebensqualität vorhersebar?

Warum hat niemand mit mir darüber gesprochen? Mein Selbstbewusstsein und meine Selbstsicherheit litten erheblich und es bedurfte besonderer Anstrengungen, mich aus diesem Gedanken-Karrussel zu befreien. Das erste Stückchen Lebensqualität empfand ich, als ich begann, meinen Gesundungsprozess selbst in die Hand zu nehmen.

WANC 03.04


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