Deutsche Gesellschaft für Senologie: Fachliche Anforderungen an Brustzentren

Prof. Dr. Klaus Höffken, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft e.V.: "Ich habe großes Verständnis für die Besorgnis der Patientinnen"

 

Zertifizierung von Brustzentren: Kriterien liegen vor

Die Deutsche Gesellschaft für Senologie und die Deutsche Krebsgesellschaft haben gemeinsam Kriterien entwickelt, nach denen ein deutschlandweites Zertifizierungsprogramm für interdisziplinäre Brustzentren erfolgen soll.

"Für die bis zuletzt noch offenen Punkte in der gemeinsamen Arbeitsgruppe der beiden Gesellschaften haben wir nun Lösungen gefunden", sagt Professor Dr. med. Diethelm Wallwiener, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Senologie. Geklärt sind jetzt die fachlichen Anforderungen, die zu erfüllen sind, um das Zertifikat zu erhalten. Sie sehen unter anderem vor, dass ein sich bewerbendes Klinikum mindestens 800 Therapiezyklen Chemotherapie durchgeführt haben muss - je 400 stationär beziehungsweise ambulant. Außerdem sollten die behandelnden internistischen Onkologen nachweisen können, dass sie insgesamt bereits 2.000 Therapiezyklen Chemotherapie betreut haben.

Auch für die Anzahl der Operationen sind Mindestanforderungen bereits diskutiert worden. Sie orientieren sich an den Richtlinien der European Society of Mastology von 2.000. Jeder beteiligte Operateur sollte danach 50 Brustkrebsoperationen pro Jahr selbst durchführen. Ein Brustzentrum sollte 150 zu operierende Mammakarzinome pro Jahr nachweisen können. Im Disease-Management-Programm für Brustkrebs in Baden-Württemberg wird aber zum Beispiel die Zahl 30 für die selbst durchgeführte Operationen pro Operateur als Diskussionsgrundlage aufgeführt. Denn diese Zahlen sind nicht evidenzbasiert. Sie stammen aus einer Studie, die in einem Zeitraum von 1984 - 1989 in New York mehr als 50.000 Patientinnen evaluierte (Roohan et al. 1998). Diese Studie zeigte einen signifikanten Überlebensvorteil von Frauen, die in einem Zentrum, in dem mehr als 150 Brustkrebs-Operationen pro Jahr durchgeführt wurden, operiert wurden. Inwiefern diese Zahlen auf Dauer deshalb als Zertifizierungskriterium bindend sein können, muss erst noch evaluiert werden. In ihren Vorgaben räumt die DGS und DKG außerdem ein, dass unterschiedliche Kliniken in einer Region als Verbund miteinander kooperieren dürfen, um diese Ansprüche zu erreichen.

Nach dem Konzept von DGS und DKG soll sich der Prozess der Zertifizierung aus mehreren Bausteinen zusammensetzen: Vorzertifikat, TÜV-Prüfung, klinisch-wissenschaftlicher Test und Rezertifizierung. Dieses Modulsystem enthält - basierend auf dem Wissen der interdisziplinären Fachgesellschaften - ein komplettes Qualitätsmanagement und eine wissenschaftliche Qualitätssicherung.

Zunächst sollen die Bewerber sich mithilfe von Fragebögen vorab qualifizieren. Anhand der Ergebnisse dieser Vorzertifizierung entscheiden die Gutachter, ob sie das Klinikum überhaupt zu dem Verfahren zulassen. Ist dies der Fall, erfolgt danach mit Modul 1 eine Zertifzierung nach internationalen technischen Standards (ISO 9001). Im zweiten Schritt evaluieren Gutachter von DGS und DKG die Einrichtung nach klinisch-wissenschaftlichen Kriterien. Modul 3 ist die Re-ISO-Zertifizierung. Diese erneute Kontrolle findet nach drei Jahren statt: Eine abermalige TÜV-Prüfung und eine weitere durch die Fachgesellschaften. Nur wenn das Klinikum zu diesem Zeitpunkt die Maximalanforderungen erfüllt, erhält es das endgültige Zertifikat.

WANC 06/03


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