Freitag, 17. August 2018

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Versorgungsqualität erhöhen: Zusammenarbeit aller Ärzte in einem Brustzentrum (Foto: DAK/Schläger)

 

Interdisziplinarität: Wenn alle Ärzte zusammenarbeiten

Interdisziplinarität - also die enge Zusammenarbeit aller an der Behandlung beteiligten Ärzte - spielt bei Brustkrebs eine besondere Rolle. Sie kann eine hohe Versorgungsqualität der Patienten und das (Über-)Leben von erkrankten Frauen sichern.

Prof. Dr. med. Diethelm Wallwiener, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Senologie, klagt: "Jedes Jahr erkranken mehr als 45.000 Frauen in Deutschland an Brustkrebs. Tendenz steigend: 2004 rechnet man sogar mit 50.000 Neuerkrankungen. Von den erkrankten Frauen sterben jährlich immer noch 19.000. Diese hohe Rate ließe sich durch gezielte Früherkennung sowie qualifizierte Diagnostik und Therapie eines interdisziplinären Behandlungsteam deutlich senken."

Interdisziplinarität ist für Wallwiener in diesem Zusammenhang kein attraktives Schlagwort, sondern Ausdruck lebensrettender Strukturen. Interdiszplinäre Behandlung bedeutet für eine Frau mit Brustkrebs, das ihr in jeder Phase der Behandlung alle ärztlichen Kompetenzen zur Verfügung stehen, die notwendig sind, um sie bestmöglich zu versorgen. Wallwiener: "Studien haben gezeigt, dass durch fachübergreifende Zusammenarbeit die Sterblichkeit von Frauen mit Brustkrebs um 18 Prozent gesenkt werden könnte. Allein das wäre eine Maßnahme, durch die in Deutschland jedes Jahr 3.420 Frauen weniger sterben müssten."

Um die interdisziplinäre Zusammenarbeit voranzutreiben, müssen Strukturen geschaffen werden, die das auch ermöglichen. Nach Ansicht von Wallwiener bilden Brustzentren "die ideale Voraussetzung dafür, diese Form der Behandlung sicher zu stellen – vorausgesetzt sie erfüllen die aufgrund wissenschaftlicher Leitlinien entwickelten Zertifzierungskriterien der Deutschen Gesellschaft für Senologie und der Deutschen Krebsgesellschaft."

Dr. med. Jens Huober, Leitender Schwerpunktoberarzt Gynäko-Onkologie am Brustzentrum Tübingen erklärt, dass das interdisziplinäre Vorgehen in einem Brustzentrum die Disziplinen Gynäkologie, radiologische Diagnostik, Strahlentherapie, Pathologie und Gynäkologische bzw. internistische Onkologie einschließt. Huober: "Eine enge Zusammenarbeit dieser Disziplinen ist eine wichtige Voraussetzung zu einer optimalen Behandlung von Patientinnen mit Brustkrebs."

Dabei beginnt nach Ansicht des Arztes die optimale Behandlung von Brustkrebs
mit einer guten Diagnostik, welche Mammographie, Mammasonographie, Kernspintomographie und minimalinvasive Mammainterventionen je nach Situation umfasst. Erst durch eine gute Diagnostik könne das chirurgische Zielvolumen bestimmt und durch präoperative Sicherung der Histologie das Vorgehen von dem Gynäkologen mit der Patientin besprochen werden.

Huober: "Zumeist kann heutzutage
durch dieses interdisziplinäre Vorgehen von Gynäkologen, Radiologen und Pathologen eine brusterhaltende Therapie erfolgen. In diesem Zusammenhang spielt auch eine genaue Bestimmung der Tumorränder nach Operation durch den Pathologen eine wichtige Rolle, damit klar wird, ob der Tumor im Gesunden entfernt wurde."

Da heutzutage die Großzahl der Patientinnen brusterhaltend operiert werde, sei die Strahlentherapie ein wichtiger integrativer Teil in der Behandlung des Mammakarzinoms. Die Abstimmung von Gynäkologischem Onkologen und Strahlentherapeuten sei in diesem Zusammenhang besonders wichtig. In Tübingen böten zweimal pro Woche vorliegende regelmässige prä-und postoperative senologische interdisziplinärer Konferenzen die Möglichkeit der optimalen Therapie. Betont Huober: "Das optimale Vorgehen wird in einer interdisziplinären Tumorkonferenz mit anwesendem Radiologen, Strahlentherapeuten, internistischem und gynäkologischen Onkologen festgelegt."

WANC 11.04


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